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Abfüllen mithilfe von Funkchips



18.04.08 Neue Verpackung
Supermärkte aller Art verzeichnen nach wie vor Umsatzzuwächse. Die günstigen Produkte – meist Eigenmarken der verschiedenen Anbieter – werden von renommierten Unternehmen der jeweiligen Branchen hergestellt. Um die Fertigungskosten möglichst gering zu halten, sind die Produzenten auf eine hohe Automatisierung beim Füllen und Verpacken angewiesen. Ein Spezialist setzt seit Jahren auf Füll- und Verschließlösungen von groninger.

Das Unternehmen sucht individuelle Lösungen, um seine Produkte möglichst wirtschaftlich verpacken zu können. Die Shampoos, Badezusätze, Duftwässer, Deodorants, Lotionen und Cremes werden in den hauseigenen Labors entwickelt und mit den Auftraggebern abgestimmt. Neben dem Preis achten die Handelshäuser immer stärker auf die Qualität der Produkte. Um die Vorratshaltung zu minimieren, müssen sämtliche Produkte ständig hergestellt und abgefüllt werden, Schnelligkeit und Flexibilität sind hier gefragt.

Bisher produzierte das Unternehmen auf zwei Anlagen je drei unterschiedliche Badezusätze und Shampoos, die von der Supermarktkette gewünschte Produktsortierung im Verkaufskarton musste aufwändig manuell zusammengestellt werden. Um die Produktionskosten weiter zu reduzieren und zusätzliche Füllkapazitäten aufzubauen, sollten die beiden bisherigen durch eine neue Anlage ersetzt werden. Die Anforderungen des Kosmetik-Spezialisten waren darum auch hoch: Drei Produkte sollen in einer Linie gleichzeitig mit unterschiedlichen Füllmengen abgefüllt werden. Das in der Präsentationsverpackung gewünschte Mischungsverhältnis soll direkt in der Maschine einstellbar sein. Und damit nicht genug: Die Etikettiermaschine muss verlässlich die richtigen Etiketten auf die einzelnen Flaschen kleben.

Die Ingenieure bei groninger nahmen im April 2007 die Herausforderung an und so entstand innerhalb von nur zwei Wochen ein, so der Produktionsleiter des Kosmetik-Betriebs, „wohl einzigartiges Konzept“: Die leeren Produktflaschen mit unterschiedlichen Farben werden von Hand zugeführt. Die Helferinnen stecken die farbigen Flaschen in die Transportbecher – die Anlage sorgt dafür, dass der richtige Mix an der neun-stelligen Füllstation ankommt. Das Massedurchflusssystem füllt, unabhängig von der Dichte, immer die richtige, voreingestellte Portion in die Flaschen, je nach Wunsch volumen- oder gewichtsgenau. Bei schwankender Dichte des Produkts, etwa durch viele Lufteinschlüsse, wird die Menge automatisch nachjustiert.

Das Unternehmen verfügt über zwei Fülleinheiten; alle produktberührenden Teile sind damit komplett verfahrbar, so kann die Abfüllanlage innerhalb kürzester Zeit umgestellt werden – die Maschinenverfügbarkeit ist dadurch einfach höher. Die Shampoos oder Badezusätze werden in drei 20-Tonnen-Tanks gemischt und zur Maschine geliefert. Pro Minute werden insgesamt 70 Liter Produkt abgefüllt – und die Leistung ist noch steigerbar. Weiter geht es von der Füll- zur Verschließstation im produktschonenden Zellentransport – die Becher mit den gefüllten Flaschen werden immer neun-Stück-weise vorwärtsgeschoben. Vor allem bei schwabbempfindlichen Produkten oder nicht standsicheren Flaschen kann dieses Transportsystem seine Vorteile ausspielen.

An dieser Station erhält jede Flasche einen auf ihre Farbe abgestimmten Verschluss – bei drei verschiedenen Produkten eben auch drei verschiedene Deckel. Die Einheit kann aber auch so eingestellt werden, dass sie Verschlüsse aus bis zu drei Einzelteilen, beispielsweise eine Pumpe, dem dazugehörigen Verschlussring und der Verschlusskappe zusammengesetzt werden. Nun folgt der schwierigste Teil der Aufgabe: Die unterschiedlich gefüllten Flaschen müssen mit den richtigen Etiketten beklebt werden – und zwar mit 100-prozentiger Sicherheit. Klaus Hahn, Entwicklungsingenieur bei groninger, brütete mit seinem Team über dieser Aufgabe. Zuerst dachte er an ein Farberkennungssystem, das aber wegen zu geringer Farbunterschiede der Flaschen wieder verworfen wurde.

Nach weiteren Zwischenschritten stellte Herbert Ziegler, Gebietsverkaufsleiter des Verpackungsspezialisten, das vollkommen neuartige Konzept vor, das der Produktionsleiter als „außergewöhnlich in der Branche“ lobt: In die Becher, die die Flaschen transportieren, werden RFID-Chips eingegossen. Das Radio Frequency Identification-System (Identifikation mithilfe von Funkwellen) ist bisher vor allem aus der Logistik-Branche bekannt: Hier werden Waren mit einem solchen Chip ausgestattet, das Ein- und Ausbuchen bzw. das Abrechnen an der Kasse erfolgt automatisch und berührungslos. An der Füllstation werden die RFID-Chips mit dem Produkt codiert, das abgefüllt wird. Aus Platzgründen mussten die drei Etikettierstationen hintereinander in Line angeordnet werden, alle Flaschen laufen somit durch alle Stationen. Beim Einlauf liest die Etikettiermaschine von Herma die Informationen aus den robusten und millionenfach wiederbeschreibbaren Chips und steuert die Zwei-Seitenetikettieranlage zuverlässig und sicher. Damit ist gewährleistet, dass das Etikett zum Inhalt passt. Beim nächsten Durchlauf codiert die Maschine den Becher wieder von Neuem. Nach dieser Station werden die Flaschen aus den Bechern gehoben und per Hand entsprechend dem gewünschten Mischungsverhältnis in die Verkaufskarton gesetzt.

Die neue Füll- und Verschließlinie von groninger produziert seit Ende 2007, nun denkt der Produktionsleiter beim Bestücken der Becher und beim Zusammenstellen der Verkaufskartons schon über eine weitere Automatisierung und somit Rationalisierung nach. Zwischen dem Produktionsleiter und Herbert Ziegler herrscht seit dem Kauf der ersten Anlagen ein Vertrauensverhältnis: „Der Kontakt bestand schon länger, wir wollten groninger seinerzeit eine Chance geben.“ 2003 lieferte der Crailsheimer Kosmetik-Verpacker die erste Maschine, die drei Produkte abfüllen konnte. „Die Lösung ist heute noch einmalig“, betont der Produktionsleiter. Und auch beim gerade abgeschlossenen Projekt schwärmt er von der unkomplizierten Zusammenarbeit: „Nur neun Monate sind von den ersten Gesprächen bis zur Lieferung der Anlage vergangen, das ist eine gute Leistung.“