Spitzentechnik für Spitzenforschung

Die jüngste gelungene Zusammenarbeit zwischen Groninger und Biotech in Burgwedel dürfte die Welt ein Stück besser machen. Denn auf Füll- und Verschließanlagen der Crailsheimer Sondermaschinenspezialisten will die Unternehmensstocher des US-amerikanischen Pharmakonzerns Merck & Co. künftig die Massenproduktion eines Impfstoffes gegen das Ebola Virus starten.

Arbeitsumgebung im Pharma-Reinraum an einer Füllmaschine. Auf der ausgelieferten Anlage werden künftig 300 Einheiten des Ebola-Impfstoffes pro Minute abgefüllt.
„Genau wie unsere Pharma-Kunden, verfolgen auch wir das Ziel, mit unserer Arbeit Menschenleben zu retten. Dass wir aktiv dazu beitragen das Ebola-Virus zu bekämpfen, indem unsere Maschine in bestmöglicher Präzision den neu entwickelten Impfstoff abfüllt, macht uns sehr stolz.“
Jens Groninger
Geschäftsführer groninger & co. gmbh

Das Entwickeln von wirksamen Impfstoffen ist keine Kleinigkeit, oft dauert es Jahrzehnte. Seit 1976 das tödliche Fieber zum ersten Mal ausbrach und 2014 dann die bisher verheerendste Ebola-Krise in Westafrika mehr als 11 000 Menschenleben kostete, wurde intensiv an einem entsprechenden Wirkstoff gearbeitet.

In Burgwedel bei Hannover entsteht derzeit die weltweit einzige Produktionsstätte für den neuen, nach bisherigen Studien hundertprozentig wirksamen Impfstoff gegen das tödliche Virus. Für industrielle Fertigung hat die Burgwedel Biotech GmbH (MSD) bereits das Gros des benötigten Fachpersonals rekrutiert. Insgesamt 45 neue Leute hat die Burgwedel Biotech, die seit 2009 zum amerikanischen Konzern Merck & Co. gehört, in den letzten Monaten für das Projekt eingestellt: Pharmakanten, Chemikanten, Laboranten, Techniker, Wissenschaftler. Die Zahl der Beschäftigten wuchs mittlerweile auf mehr als 210 Mitarbeiter an.

Das Pharmaunternehmen setzt zudem auf Leistungskraft aus dem Hause Groninger. Das renommierte Unternehmen mit seinen mehr als 1135 Beschäftigten liefert hochpräzise und sichere Abfüll-, Verschließ- und Handlingsmaschinen für die Pharma-, Kosmetik-und Consumer Healthcare- Industrie weltweit. Die Crailsheimer bringen dabei ihre große, jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit großen Kunden aus der Pharmazie zum Tragen.

Tempo ist angesagt bei der Einführung des von Merck & Co. in den USA entwickelten Wirkstoffs. Als der in 140 Ländern tätige US-Konzern, der außerhalb der Vereinigten Staaten unter dem Namen MSD firmiert, im Jahr 2016 für den neuen Wirkstoff einen Produktionsstandort suchte, hatte die Burgwedel Biotech den entscheidenden Vorsprung. Der Firmenstandort an der A7, an dem seit 1967 Tierimpfstoffe hergestellt werden, war ohnehin auf Expansionskurs und hatte bereits mit Erweiterungsbauten für Produktion und Büros begonnen. Wahrscheinlich im dritten Quartal 2018 soll die Produktion starten. Zuvor müssen aber noch die Zulassungsbehörden in Amerika (FDA) und Europa (EMA) grünes Licht geben. Die Zulassung soll Ende dieses Jahres beantragt werden.

Gegenüber der globalen Impfstoff- Allianz (GAVI), die die Entwicklung des Wirkstoffs mit fünf Millionen Euro bezuschusste, hat MSD sich verpflichtet, den neuen Wirkstoff ab dem Jahr 2018 zu einem niedrigen Preis ohne Gewinn für die Firma in den ärmsten Ländern der Welt dauerhaft zugänglich zu machen.

Rund 60 Millionen Euro investiert Merck & Co. in Burgwedel, davon rund 24 Millionen Euro allein für das Ebola-Projekt. Damit dieses Projekt überhaupt zu stemmen ist, ist der Einsatz hochleistungsfähiger Füll- und Verschließtechnik Voraussetzung. Jens Groninger: „Auf der Anlage können 18 000 Vials pro Stunde verarbeitet werden, dies sind 300 Stück pro Minute.“

Der Ebola-Impfstoff wird in hochtechnisierten Reinräumen hergestellt werden. Produziert werden die Impfstoffe in Laboren der „Sicherheitsstufe 2“. Rüberkommen soll die Botschaft: „Für Mensch und Tier besteht keinerlei Ansteckungsgefahr.“ Zum einen, werden für die Impfstoffproduktion keine vollständigen Ebola-Viren verwendet. Nur ein Oberflächeneiweiß wird in ein anderes abgeschwächtes Virus als Träger eingebaut, gegen dass das Immunsystem der Geimpften dann Antikörper bildet. Zum anderen gewährleistet die Verpackungstechnologie aus Crailsheim höchste Sicherheitsstandards für die sterile Abfüllung. Während in Burgwedel gebaut wird, laufen bei der Konzernmutter in Amerika die klinischen Studien weiter. Die Wunschperspektive ist, dass Ebola dereinst komplett zurückgedrängt werden kann wie Polio oder die Pocken. Selbst flächendeckende Impfungen in den Risikoregionen wären für den Produktionsstandort Burgwedel kein Quantitätsproblem, sagt Werksleiterin Christine Neudert: „Wir können den Impfstoff in Millionen-Dosen herstellen.“ Jens Groninger: „Die Ausbringungsmenge ist nicht das Problem. Wir haben bei diesem Projekt einmal mehr gezeigt, dass wir für wirtschaftliche Anforderungen und technologische Ansprüche entsprechende Produktlösungen bieten können, und damit unsere hohe Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt.“

Hintergrund

Bisher gab es nur Mittel gegen einzelne Symptome. Ebola ist eine Infektionskrankheit, die durch das gleichnamige Virus hervorgerufen wird. Die Bezeichnung geht auf den Fluss Ebola im Kongo zurück – in dessen Nähe verursachten die Viren 1976 den ersten großen Ausbruch der Epidemie. Das Virus wird von Mensch zu Mensch durch Körperflüssigkeiten übertragen. Bisher verlief die Krankheit je nach Virusart in 25 bis 90 Prozent aller Fälle tödlich.

Quelle: H. Lohr / Regio Business

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